"Kinder können jedes Hobby lernen"

Samstag, 30. Juni 2012

Die Fußballfabrik von Ingo Anderbrügge, Ex-Fußball-Profi aus dem Kreis Recklinghausen, führt ein Fußball-Camp für Kinder im Alter zwischen 5 und 15 Jahren vom 30. Juli bis zum 1. August auf der großen Wiese im Gysenberg in Herne durch. hallorherten-Redakteur Günter Mydlak sprach mit dem Ex-Profi (BVB, Schalke 04) und mit Stefan Tysbierek, dem Herner Filialleiter des Camp-Sponsors Sparda Bank, über das Thema Jugendfußball.

interview anderbruegge4halloherne: Seit wann veranstalten Sie Fußball-Camps für Kinder und Jugendliche?
Ingo Anderbrügge: Seit 1997. Ich wurde damals öfter von Vereinen zu Autogrammstunden eingeladen, aber ich habe denen dann vorgeschlagen, dass ich lieber mal eine Stunde Training mit den Kindern machen würde. Daraus ist dann mehr geworden.

In welchem Umfang sind Sie heute tätig?
Anderbrügge: In diesem Jahr führen wir etwa 45 Camps durch mit insgesamt 2000 bis 2500 Kindern. Zu 80 Prozent finden unsere Veranstaltungen in NRW statt, aber wir weiten das mehr und mehr auch auf andere Bundesländer aus.

Welcher personelle Aufwand ist dafür notwendig?
Anderbrügge: Im Büro sind wir zu viert, und im letzten Jahr haben wir insgesamt 36 Honorar-Trainer beschäftigt - vom Studenten bis zum Fußball-Lehrer.

interview anderbruegge5Sie nennen Ihr Unternehmen Fußballfabrik. Warum Fabrik?
Anderbrügge: Einerseits wollten wir uns abheben von dem Begriff der Fußball-Schule, und andererseits wollte ich auf jeden Fall einen deutschen Begriff wählen. Meine Frau Katrin hatte die Idee mit der Fabrik. In einer Fabrik sind ja auch Mannschaften am Werk. Da geht es ja auch um Werte wie Respekt, Teamgeist, Disziplin oder Fairplay, die wir im Jugendfußball vermitteln wollen.

Wie talentiert sind die Kinder heute?
Anderbrügge: Ich bin nicht der Meinung, dass Menschen mit einem bestimmten Talent geboren werden. Wer mit Musikinstrumenten groß wird, entwickelt wahrscheinlich eine enge Beziehung zur Musik. Kinder können jedes Hobby erlernen. Entscheidend ist, dass sie eine gewisse Leidenschaft dafür entwickeln. Und die gilt es zu wecken.

interview anderbruegge11Wie macht man das im Fußball? Ist da überhaupt noch Platz für Leidenschaft, wenn fast nur noch Erfolg oder Misserfolg im Vordergrund stehen?
Anderbrügge: Das Grundproblem ist: Das Fußballspielen als Freizeitgestaltung ist verloren gegangen. Man kann noch so viele Bolzplätze bauen - da treffen sich heute die Kinder nicht mehr. Auf dem Schulhof springt heute fast niemand mehr Gummitwist oder hümpelt über aufgemalte Kästchen. Früher war das körperliche Aktivsein, das Sporttreiben ein täglicher Begleiter. Heute muss man dafür ein Event anbieten.

Was kostet die Teilnahme an einem dreitägigen Camp inklusive Verpflegung?
Anderbrügge: Mittlerweile 110 Euro. In Herne machen wir das das Camp zum dritten Mal, und da nehmen wir noch den alten Preis - 100 Euro.

interview anderbruegge1Welche Rolle spielen die Eltern heute im Jugendfußball?
Anderbrügge: (schmunzelt) Letztens hat mich noch ein Vereinsvertreter gefragt: "Mensch Ingo, wie kriegen wir das bloß mit den Eltern hin?" Klar: Wenn der Trainer einem Spieler sagt: Mach du den Einwurf und dessen Vater dahinter steht und seinem Sohn zuruft: "Geh nach vorne" - dann muss man eingreifen. Ich rate allen Vereinen, gemeinsam mit den Eltern einen Regelkatalog aufzustellen.

Was sollte da drin stehen?
Anderbrügge: Zum Beispiel: Anfeuern ja - Anweisungen nein.

In den meisten Vereinen übernimmt ein Papa die Rolle als Trainer, damit eine Mannschaft überhaupt spielen kann. Was raten Sie jemandem, der derart ins kalte Wasser springt?
Anderbrügge: Dieser Papa macht das bestimmt nach besten Wissen und Gewissen. Gar keine Frage. Aber die Jungs zum Aufwärmen zehn Runden laufen zu lassen - das muss nicht sein. Wir bieten diesen Papas eine Begleitung an, damit sie Grundlagen der Trainings-Gestaltung kennenlernen können.

interview anderbruegge7Wie haben Sie selber mit dem Fußballspielen begonnen?
Anderbrügge: Das war mit acht Jahren beim SV Germania Datteln. Opa Aust war mein erster Trainer, und bei dem haben wir in erster Linie gespielt und gespielt und gespielt. Das war aber auch in der Freizeit so. Als Tore haben wir Teppichstangen, Stöcke oder Tornister genommen. Heute muss es Kunstrasen sein, und der Junge wird von Mama zum Training gebracht und wieder abgeholt; nach dem Duschen natürlich gefönt.

Sie haben für Borussia Dortmund und dann lange bei Schalke 04 gespielt. Für wen schlägt denn heute ihr Fußballherz?
Anderbrügge: (lacht) Ich bin heute kein Fan im eigentlichen Sinne. Ich würde es den Schalkern von Herzen gönnen, mal wieder Deutscher Meister zu werden, aber ich finde es auch sensationell, was beim BVB passiert. Für mich würde ich sagen: Ich bin zu 51 Prozent blau-weiß. Meine Frau hält übrigens für den BVB.

Herr Tysbierek - die Sparda Bank sponsert das Fußball-Camp von Ingo Anderbrügge im Gysenberg. Welche persönliche Beziehung haben Sie selber zum Sport?
Stefan Tysbierek: Ich habe Fußball und vor allem Korfball gespielt und war beim Korfball auch mal im erweiterten Nationalkader.

interview anderbruegge2Nach welchen Kriterien vergeben sie heute Sponsorgelder in Herne?
Tysbierek: Als Genossenschaftsbank haben wir den Förderauftrag, das Allgemeinwohl in einer Stadt zu unterstützen. Da liegt es natürlich nahe, die Erlöse aus unserem Gewinnspar-Etat in Projekte mit Kindern zu geben. Kinder sind unsere Zukunft. Und wenn nicht jedes Kind in Urlaub fahren kann, dann sollte es wenigstens daheim die Möglichkeit bekommen, zum Beispiel an einem Fußball-Camp teilzunehmen.


Anmeldungen zum FB-Camp vom 30. Juli bis zum 1. August im Gysenberg sind möglich in den Herner Filialen der Sparda Bank und online bei Ingo Anderbrügge.

mehr Info: Fußballfabrik

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24. Mai +++ Namenstag: Dagmar, Esther +++ Am 24. Mai 1938 erhält der US-Amerikaner Carl C. Magee das Patent für die Parkuhr. +++ "Der Parkplatz ist eine Fläche, die verschwindet, während man wendet." (Volksmund)