Kassenbons gegen Bargeld umgetauscht (II)

Herne / Hagen. In keiner der Filialen des Herner Textilunternehmens Steilmann-Boecker Fashion Point waren die Inventurdifferenzen zwischen Herbst 2012 und Spätherbst 2014 so erheblich wie in Hagen. Als das Unternehmen der Sache auf den Grund ging, stellte sich heraus, dass der seit 13 Jahren in Hagen beschäftigte Filialleiter aus Herne mit fingierten Umtauschaktionen nach vorsichtigen Schätzungen rund 130.000 Euro ergaunert hatte (halloherne berichtete). Mitte Dezember 2014 hatte das Unternehmen den Herner nach vorheriger Anhörung fristlos entlassen und auch eine Strafanzeige wegen Veruntreuung und Unterschlagung erstattet.

Der Mann erhob mit Rechtsanwalt König Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht Herne, nachdem er in der Anhörung bereits die Veruntreuung von rund 7.000 Euro eingeräumt hatte. Später schob er noch eine abenteuerliche Geschichte nach. Er sei mehrfach nach Feierabend auf dem Weg zum Hagener Bahnhof von einem Unbekannten mit einer Giftspritze bedroht und zur Herausgabe des Geldes gezwungen worden.

Zu den Kündigungsgründen hatte Assessor Dr. Schipprowski vom Arbeitgeberverband der norddeutschen Textilindustrie vorgetragen, der Kläger habe immer wieder Kunden von Garderobe ohne Kassenbon in der Tüte nach Hause geschickt beziehungsweise den Kassenbon kopiert, wenn Kunden auf dem Kassenbon bestanden. Diese Kassenbons seien vom Kläger in der Regel eine Woche später mit erfundenen Käufer-Unterschriften gegen Bargeld umgetauscht worden.

Klägeranwalt König, der erst im Gütetermin im Februar 2015 den siebenseitigen Schriftsatz mit den Kündigungsgründen erhalten hatte und auch noch keine Einsicht in die Ermittlungsakten hatte, weil die gerade unterwegs zur Staatsanwaltschaft waren, bat deshalb um Verständnis, dass er sich noch nicht hätte äußern können. Arbeitsgerichts-Direktor Dr. Dewender setzte deshalb den Kammertermin für Mitte Juni fest, konnte die Akte aber kurz vor dem Termin ohne Entscheidung zuklappen.

Klägeranwalt König und Dr. Schipprowski hatten außergerichtlich ein Lösungspaket geschnürt, mit dem beide Seiten leben können. Danach endete das Arbeitsverhältnis des Filialleiters zum Jahresende 2014, und der Mann zahlt ab Juli bis zum Jahresende 2015 einen Schadenersatz von 30.000 Euro in sechs Monatsraten von je 5.000 Euro. Die strafrechtliche Seite bleibt von diesem Vergleich unberührt. (AZ 4 Ca 22/15)

Text: Helge Kondring 22. Juni 2015, 13:58 Uhr

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