Platzmangel und Sprachbarrieren

Fachtagung in der LWL-Klinik in Herten. Foto: LWL-KlinkFachtagung in der LWL-Klinik in Herten.

Münster/ Herten (lwl). Kaum mehr Plätze, immer mehr Patienten - der Aufnahmedruck bei gerichtlich zugewiesenen suchtkranken Straftätern in den forensischen-psychiatrischen Kliniken des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) steigt. In der Hertener LWL-Klink trafen sich rund 100 Fachleute zu einer Tagung wegen der Probleme in der Behandlung mit suchtkranken Straftäter aus den Bereichen Maßregelvollzug, Justiz, Sicherungsverwahrung und allgemeiner Suchthilfe. In Fachvorträgen berichteten Experten unter dem Tagungstitel "Was wirkt? Im Spannungsfeld zwischen Motivation und Verweigerung" über ihre Erfahrungen in der therapeutischen Behandlung von suchtkranken Straftätern.

Die Anzahl der wegen einer Abhängigkeitserkrankung untergebrachten schuldunfähigen Verurteilten hat sich beim LWL seit 1997 um fast 70 Prozent auf heute rund 440 erhöht. In den beiden LWL-Suchtfachkliniken in Marsberg und Stemwede-Haldem gibt es aber nur rund 290 Behandlungsplätze für so genannte 64er-Patienten. Suchtkranke Patienten sind daher auch in den LWL-Maßregelvollzugskliniken für psychisch kranke Straftäter untergebracht, zudem in der LWL-Allgemeinpsychiatrie sowie in der Suchtfachklinik eines anderen Trägers.

"Der Belegungsdruck ist ein bundesweites Problem und damit eine Herausforderung, der nicht nur wir uns in unseren LWL-Maßregelvollzugskliniken stellen müssen. Daher ist es sinnvoll, sich über Träger- und Landesgrenzen hinweg auszutauschen", sagt Dr. Bernd Dimmek, Leiter der Forschungsgruppe "Sucht" des LWL-Maßregelvollzugs. Diese hatte kürzlich zu einem interdisziplinären Austausch eigeladen - zur 2. Fachtagung "Maßregelvollzug und Sucht" der LWL-Maßregelvollzugsabteilung Westfalen.

Dr. med. Herbert Steinböck, Klinikum München-Ost.Foto: LWL-KlinkDr. med. Herbert Steinböck, Klinikum München-Ost.

Dr. med. Herbert Steinböck, Chefarzt und Maßregelvollzugsleiter am Isar-Amper-Klinikum München-Ost (Kliniken des Bezirks Oberbayern), machte in seinem Vortrag auf die gestiegene Zahl von untergebrachten suchtkranken Straftätern mit Migrationshintergrund und die damit gewachsenen Herausforderungen an den Maßregelvollzug aufmerksam. In den 1980er Jahren hatten etwa vier bis fünf Prozent der untergebrachten suchtkranken Straftäter einen Migrationshintergrund, heute liege der Prozentsatz zwischen 20 und mehr als 30 Prozent, sagte Steinböck. "Im Isar-Amper-Klinikum München-Ost hat mittlerweile sogar fast jeder zweite untergebrachte suchtkranke Straftäter einen Migrationshintergrund".

Im Klinikum München-Ost stelle man sich dieser Entwicklung, indem zum Beispiel bei Neueinstellungen darauf geachtet werde, dass Mitarbeiter neben Deutsch und Englisch auch andere Sprachkenntnisse mitbringen. "Inzwischen hat etwa ein Drittel unserer Mitarbeiter einen interkulturellen Hintergrund; das Sprachenspektrum umfasst Kroatisch, Serbisch, Türkisch und Polnisch", so Steinböck. Dies sei eine große Hilfe bei der Behandlung der Patienten. Dennoch bleibe für eine erfolgreiche Therapie das Verstehen und Sprechen der deutschen Sprache eine wichtige Voraussetzung. Daher investiere das Klinikum rund 60.000 Euro pro Jahr in Deutschkurse. Steinböck: "Das hat sich bewährt. Die Patienten, die in den Deutschkursen gute Fortschritte machen, machen auch in der Therapie gute Fortschritte."

Quelle: LWL 21. Juli 2015, 12:20 Uhr

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